CfP: 30 Jahre Pokémon – Medienwissenschaftliche und -didaktische Perspektiven auf den international erfolgreichsten Medienverbund [15.03.2026]

9. Februar 2026

Anlass und Zielsetzung

Im Jahr 2026 feiert das transmediale (Medien-)Phänomen Pokémon sein 30-jähriges Jubiläum. Was 1996 mit einem Game-Boy-Spiel begann, hat sich über Anime-Serien, Sammelkartenspiele, Merchandise und Kinofilme zu einer der weltweit bekanntesten Popkulturmarken entwickelt. Bemessen am Gesamtumsatz handelt es sich bei Pokémon um das erfolgreichste Medien-Franchise aller Zeiten – mit deutlichem Abstand zu weiteren Medienverbünden wie Mickey Mouse & Friends, Star Wars oder The Wizarding World (Harry Potter). Dabei dürfte der Erfolg von Pokémon u. a. darin begründet liegen, dass die unterschiedlichen Komponenten des Medienverbundes häufig genreprägende Wirkung entfalten und sich immer wieder neu erfunden hat. Dies zeigte sich in den letzten Jahren eindrücklich an Mobiles Games wie der Augmented Reality App Pokémon GO, die im AR-Gaming-Bereich den Weg für eine neue Generation immersiver Medienerfahrungen ebnete, Gacha-Games wie Pokémon Masters EX, intergenerativen Video Streams auf Twitch oder körperbezogene Apps wie Pokémon Sleep.

Anlässlich des Jubiläums möchte das geplante Themenheft Beiträge versammeln, die das Franchise in seiner ganzen Breite untersuchen und Perspektiven aus den Medienwissenschaften und den Game Studies sowie der Mediendidaktik miteinander ins Gespräch bringen. Eine mediendidaktische Perspektive ist dabei insofern zentral, als Pokémon seit seinen Anfängen ein Lern- und Sozialisationsraum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene darstellt. Das Franchise begleitet mittlerweile mehrere Generationen, die mit unterschiedlichen medialen Formaten – vom Sammeln und Tauschen über strategisches Spielen bis hin zu gemeinschaftlichen Videospiel-Erlebnissen – aufgewachsen sind oder weiterhin aktiv daran teilnehmen. Diese vielfältigen Ausdrucksformen eröffnen Potenziale für medienbezogene Bildungsprozesse. Ziel ist es daher, Pokémon nicht nur als Gegenstand medienwissenschaftlicher und ludologischer Analysen zu betrachten, sondern auch seine Bedeutung für die Medienwelten verschiedener Altersgruppen sowie für formale und informelle Lernkontexte zu reflektieren.

Mögliche Fragestellungen

Das geplante Sonderheft ist damit an der Schnittstelle von Medienwissenschaft und Mediendidaktik verortet. Die folgenden Themenfelder sind als ein Spektrum möglicher Fragestellungen zu verstehen, das von interessierten Beiträger:innen gerne um zusätzliche Fragestellungen erweitert werden darf. Interdisziplinäre Ansätze werden ausdrücklich begrüßt.

Medienwissenschaftliche Perspektiven

  • Transmedialität:
    Wie funktioniert das Pokémon-Franchise als transmediales Erzählgefüge? Welche Dynamiken entstehen im Zusammenspiel von Videospielen, Anime, Manga, Sammelkarten, Mobile Games und Onlineplattformen?
  • Game Design und ludische Strukturen:
    Inwiefern bilden sich innerhalb des Franchises spezifische Spielästhetiken und Genrekonventionen aus? Wie verändern sich Spielmechaniken, Spieler*innenrollen und Progressionssysteme über die verschiedenen Versionen des Spiels hinweg?
  • Ästhetik, Sprache und Übersetzung:
    Welche kulturellen Codierungen und Diskurse spiegeln sich in Pokémon-Designs, Namensgebungen, Typologien und Übersetzungspraktiken?
  • Fankulturen, Plattformen und soziale Praktiken:
    Wie artikulieren sich Pokémon-Fans in digitalen Öffentlichkeiten (z.  auf Discord, Twitch, TikTok)? Welche Formen von Partizipation, Kreativität und Zugehörigkeit entstehen dabei? Welche Fandom-Cultures und (Schreib-)Praktiken lassen sich ausmachen?
  • Popkulturelle Nostalgie und kulturelles Gedächtnis:
    Inwiefern wirkt Pokémon als Speicher kollektiver Medienerfahrungen? Wie manifestieren sich nostalgische Bezugnahmen, Retrotrends oder generationsübergreifende Rezeption?

Mediendidaktische Perspektiven

  • Pokémon als Gegenstand informellen Lernens:
    Welche informellen Lernprozesse (z.  kollaboratives Problemlösen, Sprachreflexion) lassen sich in der Auseinandersetzung mit Pokémon nachzeichnen?
  • Potenziale für formale Bildungssettings:
    Welche Anschlussmöglichkeiten bietet das Franchise für didaktische Kontexte, etwa zur Förderung von Medienkritik, ästhetischer Wahrnehmung oder literarischer Kompetenz?
  • Digitale Lernumgebungen und Gamification:
    Inwiefern kann das mediale Ökosystem Pokémon exemplarisch für die Gestaltung immersiver und spielbasierter Lernumgebungen stehen?
  • Populärkultur in der Bildung:
    Welche Chancen und Spannungsfelder ergeben sich durch die Integration popkultureller Medien wie Pokémon in Bildungsdiskurse? Wie lässt sich ein reflektierter Umgang mit populären Medien in Lehr-Lern-Prozessen fördern?
  • Medienkompetenz und kritische Medienbildung:
    Wie kann Pokémon genutzt werden, um Fragen nach Mediennutzung, Plattformökonomien, Datafication und partizipativer Kultur kritisch zu adressieren?

Einreichung von Abstracts / Weiterer Zeitplan

Bei Interesse senden Sie bitte ein Abstract mit maximal 300 Wörtern bis zum 15.03.2026 an paidia@germanistik.uni-muenchen.de. Da alle Vorschläge im Blind-Peer-Review-Verfahren gesichtet werden, achten Sie bitte darauf, dass Ihr Textdokument anonymisiert ist und Ihre Kurzvita in einem separaten Dokument (ca. 500 Zeichen) beiliegt.

Die Beiträge sollen einen Umfang von maximal 40.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, exkl. Literatur) nicht überschreiten. Bitte verwenden Sie dabei ein bearbeitbares Dateiformat (.doc, .docx, .odt). Weitere Informationen zur Manuskriptgestaltung (Stylesheet) erhalten Sie von uns nach Annahme des Abstracts.

Sie bekommen von uns voraussichtlich Rückmeldung zum Abstract bis zum 01.04.2026.

Einsendeschluss für die vollständigen Beiträge ist der 31.08.2026.

Die Veröffentlichung der Beiträge ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

 

Mit Fragen wenden Sie sich bitte an die Herausgebenden der Sonderausgabe:

Dr. Laura M. Lewald-Romahn (Münster) - laura.lewald-romahn[at]uni-muenster.de

Dr. Florian Hesse (Jena) - florian.hesse[at]uni-jena.de

 

Artikelbild © Laura M. Lewald-Romahn

Schlagworte:

Spiele: 

So zitieren Sie diesen Artikel:

Lewald-Romahn, Laura MariaHesse, Florian: "CfP: 30 Jahre Pokémon – Medienwissenschaftliche und -didaktische Perspektiven auf den international erfolgreichsten Medienverbund [15.03.2026]". In: PAIDIA – Zeitschrift für Computerspielforschung. 09.02.2026, https://paidia.de/30-jahre-pokemon-medienwissenschaft-didaktik/. [09.02.2026 - 18:42]

Autor*innen:

Laura Maria Lewald-Romahn

Laura Maria Lewald-Romahn studierte an der Universität Duisburg Essen gymnasiales Lehramt für die Fächer Deutsch, Sozialwissenschaften, Kunst und Deutsch als Zweit- und Fremdsprache. 2023 wurde sie mit einer Arbeit zum inklusiven Literaturunterricht an der Universität zu Köln promoviert. 2024 legte sie das zweite Staatsexamen ab. Als Studienrätin im Hochschuldienst an der Universität Münster forscht und lehrt sie im Bereich Literatur- und Mediendidaktik im Schwerpunkt auf dem gegenstands- sowie erwerbs- und vermittlungsbezogenen Literaturunterricht. Forschungsschwerpunkte: Inklusiver/diversitätssensibler Literaturunterricht und UDL, Spieldidaktik (analog und digital), Serialitäts-/Medienverbunddidaktik, Multimodalität, Medienpartizipation, Methodenweiterentwicklung.

Florian Hesse

Florian Hesse studierte von 2014 bis 2018 gymnasiales Lehramt für die Fächer Deutsch, Englisch und Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, ehe er 2023 mit einer Arbeit zu Qualitäten von Literaturunterricht im Bereich Fachdidaktik Deutsch promoviert wurde. Seitdem forscht Florian Hesse als Postdoc & Habilitand an der Professur für Fachdidaktik Deutsch, hier vorrangig im Bereich der Literatur- und Mediendidaktik mit einem Schwerpunkt auf Professions- und Unterrichtsforschung. Aktuell vertritt Florian Hesse eine Professur für Deutschdidaktik an der TU Dresden.